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Das riesige brasilianisches Zollgebaeude
am Grenzuebertritt in Assis Brasil steht noch
immer leer. Die offizielle Einreise koennen wir erst im
110 km entfernten Brasiléia besiegeln. Die Suche
nach der in der Stadt und zwischen beiden Bruecken resp.
Grenzposten zu Bolivien und Peru verteilten Amtsstellen,
die Policia Federal fuer die Passkontrolle und die
Receita Federal fuer die Autoeinfuhr, ist langwieriger
als die eigentlichen Formalitaeten - umsomehr als ich
kaum die Haelfte der immer freundlichen, aber in
portugiesischen Wortschwaellen erteilten Auskuenfte
verstehe. Wir erhalten ein Touristenvisum fuer 90 Tage
und analog dazu eine gleich lange temporaere
Importgenehmigung fuer den Iveco, da das Carnet de
Passage nicht anerkannt ist.
Auf mal schlechter, aber meist rechter Teerstrasse fahren
wir durch brasilianische Landschaft des Bundesstaates
Acre. Hier sind breite, sicher 400m messende Streifen
links und rechts der Strasse beim Strassenbau gerodet
worden, auf denen vor dem in den Hintergrund gedraengten
Urwald Hunderte oder gar Tausende von meist hellen
Rindviechern indischer Art, allerdings weitaus
wohlgenaehrter, sich tummeln. Den damit verbundenen
Nachteil finden wir bald heraus - es gibt wegen der
Viehzaeune kaum eine Moeglichkeit zum Auszuscheren. Aber
unmittelbar nach Vila Capixaba schaffen wir es,
auf einer der seltenen, kleinen Seitenstrasse uns so am
Rand hinzustellen, dass trotzdem die Durchfahrt gewahrt
bleibt. Am spaeten Nachmittag hat sich das Wetter erholt.
Die Wolkendecke ist hinter uns zurueckgeblieben, und wir
sind zuletzt durch eitlen Sonnenschein gefahren. Blutrot
versinkt kurz nach 17.3oh schon die Sonne hinter Baeumen
am Horizont. Obwohl wir zuletzt noch fast 22o
C gemessen haben, zerren wir wegen des grossen
Temperaturunterschieds zum Tage unsere dickeren Decken
aus dem Stauraum, wollen wohlig tief schlafen zu koennen.
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| Nach nur gut einer Stunde Fahrt auf der
BR 317 erreichen wir am Freitag-Morgen die Hauptstadt des
Departementes, Rio Branco. Der Kern der Stadt
entpuppt sich als klein, aber recht modern und gemuetlich
mit Parks, vielen Laeden und Retaurants. Wir bummeln
etwas herum, in der Hauptsache, um an einem Zeitungsstand
die Rodoviario 2007 von Guia Quatro Rodas zu kaufen, da
wir ansonsten nur ueber auf das GPS geladene
Ausschnittkartem verfuegen, welche keinen Ueberblick
erlauben. Im Café de Teatro essen wir Zmittag und machen
erneut Bekanntschaft mit der portugiesischen Spache.
Selbst bei so banalen simplen Unterhaltungen erhalten wir
nur die Haelfte des Bestellten. Mein Capuccino stellt
sich nicht als grosse Tasse wie erwartet sondern als
hohes Glas voll Eiscafé heraus. Dem kurzen Besuch des
Museo da Borracha, das ueber den einst fuer die Region
wichtigen Kautschuk und deren Gewinnung informiert, folgt
eine kurze Einkaufstour um in einer der vielen Farmácias
mit Anti-Mueckenstich-Mitteln aller Konsistenz sowie
besaenftigender Creme nach erfolgten Attacken und im
bestausgestatteten Supermercado in der Via Chico Mendes
mit Lebensmitteln uns einzudecken. Wir muessen uns danach
schon fast mit dem Verlassen der Stadt beeilen. Heute ist
uns das Glueck hold. Auf Hoehe der Abzweigung nach Boca
de Acre lockt uns ein komplett ebener Platz mit idealen
Kieshaufen, um sich dahinter etwas zu verbergen, da zu
Uebernachten. |

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Samstagmorgen, 06.ooh - aber hier wird
gearbeitet und Baumanns stehen mitten zwischen Baggern
und Lastwagen, die mehr Kies anliefern respektive ihn
verteilen muessen! So aufgeweckt sind wir fuer einmal
auch relativ frueh unterwegs auf der Route 364 und
wechseln ins Departemento Rondònia ueber. Die Strasse
ist zwar geteert, aber kilometerweise mit tiefen
Schlagloechern verziert. Ab und zu ist ein Trupp dabei,
sie zu zaehlen - entschuldigt, sie zu fuellen - aber
meist kurvt man einfach mit Inanspruchnahme der ganzen
Strassenbreite zwischen den Kratern hindurch. Unser
portoguiesischer Wortschatz erweitert sich: Balsa heisst
offensichtlich Faehre- eine davon bringt uns ueber den
breiten Rio Madeira. Bei Abuña passieren wir ein
paar armselige Ueberreste einer Eisenbahnlinie, die einst
in unzaehligen Anlaeufen ueber Jahrzehnte hinweg nach
Gujara-Mirim ins Kautschuk-Gewinnungsgebiet fuehrend
gebaut wurde. Sie war nicht nur fuer den finanziellen
Ruin diverser Gesellschaften sondern auch fuer Todesopfer
waehrend des Bau zwischen 5-25'000 - je nachdem an welche
Version man sich haelt - verantwortlich. Fertiggestellt
wurde sie als Ironie des Schicksals schliesslich kurz vor
Entdeckung des aus Malaysia einfacher zu beschaffenden
und viel guenstigeren selben Rohstoff und vermochte
deshalb nie Gewinn einzufahren. Immer zwischen breiten
gerodeten Weiden rollen wir bei Temperaturen zwischen 30
bis 38o C. Fuer den Mittagshalt halten wir
direkt an der Strasse im Schatten einiger grosser Baeume.
Auch die spaet nachmittaeglichen leichten Regenguesse
aendern nichts an der Hitze, sie steigern nur die
Feuchtigkeit. |
Auf Grund diverser Beschreibungen haben
wir ein viel moderneres Porto Velho erwartet. Zwar
passieren wir zwei Haupt-Einkaufsstrassen, wo jedoch vor
allem Modeartikel, Kosmetik und Schuhe neben
Unterhaltungs-Elektronik und die nicht weg zu denkenden
Handy's unter die Leute gebracht werden. Wir finden den
Porto Cai n'Agua, wo aber nur Ausflugsboote ablegen. Nach
laengerem Suchen finden wir schliesslich den Portobras -
heute Samstag aber ohne Betrieb. Ein Wachmann skizziert
uns die Anfahrt zur Verladestelle fuer Camions, aber wir
verzetteln uns durch aermliche Wohnquartiere und landen
zu guter Letzt in den Tanklagern von BR.
Da wir noch Brot benoetigen latschen wir anschliessend
noch vor dem Dunkelwerden durch einige Strassenzuege der
Innenstadt, finden aber die uns geschilderte Baeckerei
ebenfalls nicht. Die Weiterfahrt stattdessen zu einem
kleinen Lebensmittel-Laden erfolgt in Etappen, da uns
jemand vorne links den Pneu genadelt hatte und wir schon
kurz nach Anfahren anhalten und mit dem kleinen
Kompressor zweimal den Plattfuss aufpumpen muessen. Die
Luft reicht dann gerade noch aus, um in der Rua Don Pedro
II zwischen Catedral Metropolitana und der Bibliothek
parallel zur Strasse zu parken. Die Kirchenuhr informiert
uns, dass wir die Uhr in der hiesigen Zone um eine Stunde
vorstellen muessen. Waehrend dem Nachtessen koennen wir
durch die offene Kirchentuere den abendlichen, gut
besuchten Gottesdienst mitverfolgen. Ansonsten schwitzen
wir in noch ungewohnter Hitze, da kaum Abkuehlung und
schon gar kein Windchen eintritt. |

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| Waehrend des Fruehstuecks werden wir
erneut christlich berieselt. Allerdings toent die heutige
Lead-Stimme schrecklich und so falsch, dass es einem in
den Ohren wehtut und wir den Platz gerne verlassen. Aber
unser Vorderrad ist erneut platt. Mit Hilfe unseres
Kompressors bringen wir genug Luft in den Pneu bis zur
zur naechsten Borracharia, wo man uns fuer 15.- R.
unseres Problems enthebt. Die Stadt bleibt heute Sonntag
verschlafen und praktisch alle Geschaefte geschlossen.
Selbst das Internet-Cafe im Rio Shopping Center oeffnet
erst gegen Mittag. Vor allem aber benoetigen wir das
Internet, um - ueberzeugt nach lokalen Auskuenften sowie
Schilderungen in mehreren Reiseberichten, dass die
offiziell seit 1991 geschlossene Strasse von Porto Velho
nach Manaus Expeditions-Charakter aufweise - moegliche
Kontakte fuer die Arrangierung der Verschiffung zu
suchen. Ernuechtert finden wir nur gerade eine einzige
Gesellschaft. Ein ueberaus hilfsbereiter Taxichauffeur,
der gerade Kaffeepause hat, faehrt uns voraus, da es
offensichtlich zu kompliziert ist, uns die Anfahrt zu
beschreiben und will dafuer nicht mal eine
Entschaedigung. So landen wir bei J.F. de Oliveira
Navegaçao Ltda (Bei unserem gestrigen Versuch haetten
wir noch etwa 3km weiterfahren brauchen). Bereits stehen
die ersten LKW und Auflieger zur Verladung an und wir
reihen uns, nachdem wir uns im Supermercado Gonçales in
der Av. Aruna mit Lebensmitteln eingedeckt und
Frischwasser aufgefuellt haben, ebenfalls in die
Warteschlange im Hof ein. |
| Montag-Morgen - aber wider Erwarten tut
sich erst mal nichts. Erst um 8.ooh oeffnet das Buero und
ich bin eine der ersten am Schalter. Die Angestellte
gehoert zur Sorte Brasilianer mitteleuropaeischen
Aussehens, welche gemaess meiner zwar noch beschraenkten
Erfahrung hierzulande viel weniger offen und freundlicher
sind als diejenigen mit dunklem Einschlag. Sie gibt sich
keinerlei Muehe und brummelt hinter Glas vor sich hin, so
dass ich beim besten Willen nichts verstehen oder auch
nur daraus folgern koennte. Hinter mir bildet sich eine
lange Schlange mit Lastwagen-Chauffeuren, die ihre
Ladepapiere einreichen muessen. Aber im Gegensatz zur
Schweiz, wo man bei solchen Stoerfaktoren nur gereizte
Gesichter saehe, aergern sie sich mit mir zusammen ob der
unfreundlichen Behandlung, reklamieren fuer mich,
versuchen mir die Fragen zu uebersetzen und helfen mir
weiter. Die Buchung scheint dann daran zu scheitern, dass
sie darauf beharrt, dass pro Fahrzeug nur eine Person
mitfahren koenne - worauf die Schlange hinter mir
einhellig protestiert und darauf aufmerksam macht, dass
es sich hier um eine "Turismo"-Angelegenheit
handle, welche speziell behandelt werden muesse. Das
passiert dann schliesslich in einem Nebenbuero, wo eine
freundlichere Dame sich mir annimmt und unser
Transport-Problem loest - leider aber zum Preise von gut
2'100.- R., der dann nach der Fahrt in Manaus zu berappen
sei. |
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Eine grosse Metallplattform voller
Auflieger und LKWs legt wenig spaeter zur Entladung an
der Rampe an. Danach passiert nichts mehr - ausgiebige
Mittagszeit, wie wir vermuten. Aber weitaus schlimmer,
der Bagger, der die Rampe stabilisiert und den steilen
Winkel beim jetztigen hohen Wasserstand ausgleicht, hat
platt. Erst am spaeten Nachmittag findet sich ein
Ersatzfahrzeug und nachdem zwei schwere Anhaenger zum
Ausgleich auf die Plattform bugsiert wurden, geht es ans
Verladen. Ein Brummer nach dem andern findet Platz auf
dem Ungetuem, nur Baumanns stehen noch immer da, waehrend
der Platz immer rarer wird und die guten, sprich mit
voraussichtlichem Fahrtwind gesegneten Standorte fast
alle besetzt sind. Fredy's Nachfrage wird ignoriert, mein
Nachdoppeln ist erfolgreicher. Nach einem anfaenglichen
nein ist man dann doch mit mir einig, dass auch wir auf
diese Plattform gehoeren. Fredy will kein Risiko mehr
eingehen und faehrt aus Eigeninitiative die Rampe runter.
Dadurch aber koennen wir den Standplatz nicht waehlen
sondern werden in gegebener Reihenfolge eher widerwillig
eingewiesen. Was wir befuerchtet haben: Wir stehen
inmitten von Ungetuemen - aber immerhin am breiten
Mittelgang zwischen je 3 Kolonnen, so dass wir waehrend
der Fahrt doch noch einen Luftzug erhalten sollten.
Es ist bereits 17.ooh, als die Beladung abgeschlossen ist
und das Schiff, das diesen Ponton flussabwaerts Stossen
wird, richtig verbunden ist. Die Plattform gleitet nur
etwa 200m dem Ufer entlang und bleibt dann liegen,
waehrend wir in der noch herrschenden Hitze sehnlichst
auf die Abfahrt und dadurch etwas Abkuehlung warten.
Inzwischen wird noch eine zweite Plattform geladen. Es
dunkelt schon, als diese uns vorgesetzt und im Lichte der
vordersten LKWs mit unserer Komposition vertaeut wird.
Und bald muessen wir uns eingestehen, dass ich die
Auskunft von Mitpassagieren, dass wir erst morgens um
06.ooh losfahren wuerden und Fredy bezweifelt hatte,
zutrifft. Die Muecken stuerzen sich beim Einnachten auf
uns. Wir schwitzen nach dem heissen Tag in der
anhaltenden abendlichen Feuchtigkeit weiterhin, sind
bachnass und dampfen selbst beim Einschlafen dampfen
noch. |
Dienstag, 17. Juli: Ich erwache und
stelle erstaunt fest, dass ich die Abfahrt verschlafen
habe. Wir stehen am Hauptdurchgang zum hinter uns
liegenden, stossenden Schiff, auf dem sich eine
einfachste kombinierte WC/Dusche fuer die vielen
Chauffeure befindet. Immer mal wieder bleiben die Maenner
bei uns stehen und versuchen, sich mit uns zu
unterhalten. Gestern hatte sich niemand am schleppend
verlaufenden Prozedere gestoert, und heute geht halt
einfach ihr Alltag auf dem Fluss weiter. An den Chassis
oeffnen sich fuer die Selbstversorgung die Vorrats- und
Kuechenkisten. Wer nicht in klimatisierten Kabinen
schlaeft, hat seineHaengematte fuer die Nacht unter dem
Anhaenger aufgespannt.
Wir gleiten langsam mit einer Durchschnittgewindigkeit
von 11,9 km den breiten, schmutzigbraunen Rio Madeira
hinunter. Ein kurzer Schauer am spaeten Nachmittag bringt
keine Erfrischung sondern erzielt auf den aufgeheizten
Fahrzeugen und Metallboden eine Wirkung wie in einem
Dampfkessel. Von der Bruecke aus werden wir gebeten, am
Abend unser Licht im Camper auszuschalten, da es die
Flussueberwachung, mit einem Scheinwerfer ueber beide
Plattforms hinweg, stoere. Also hocken wir mit Taschen-
und Stirnlampe an unsern Buechern. Es handelt sich
hoechstens wettermaessig, aber ansonsten bei Weitem nicht
um eine ruhige Fahrt. Tag und Nacht schalten automatisch
die Kuehlaggregate der vielen LKW und Auflieger ein.
Fredy schlaeft nachts mit Ohrenpfropfen. Ich schlucke
dafufer Globuli gegen Sonnenallergie, um das laestige
Jucken der vielen Mueckenstiche zu unterdruecken. |

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| Wir werden fast bemuttert und heute wird
uns beigebracht, dass bei Ertoenen einer Trillerpfeife,
gegen 11.ooh vormittags und ca. 16.3oh nachmittags, auf
dem Stoss-Schiff die Kueche eroeffnet und warmes Essen
verfuegbar sei. Also kriechen wir unter dem Schatten
eines Anhaengers hervor und essen Maria's Kost:
Trockenreis, fein Gehacktes, Poulet, braunes
Bohnengemuese - alles zusammen mit geschrotetem Mais
ueberstreut - zum Nachtisch starken, gesuessten Kaffee.
Am Nachmittag bewoelkt sich der Himmel. Aber keine
Abkuehlung resp. Regen vermindern die gut 35o
C im Schatten und im Camper. |

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Ein heftiges Gewitter loest heute starken
Regen aus, und diesmal wird das Deck zu unserer Freude
saubergewaschen, denn aus einem nahen Anhaenger tropft
von der Fleischladung Blut und verbreitet in der Hitze
einen unangenehmen Gestank. Unser Kuehlschrank laeuft
staendig und wir haben wegen des heute oefters bewoelkten
Himmels keinen grossen Stromvorrat. Seit wir gestern die
Sonnenstore ausgerollt haben, dient ihr Schatten bei
Sonne und ihr Schutz bei Regen als Zwischenhalt auf den
Spaziergaengen zwischen den Fahrzeugen. Immer mal wieder
muessen wir einem Chauffeur zu seinem Vehikel folgen und
erhalten, wo selbst gekocht wird, Kostproben davon oder
Fruechte und Getraenke angeboten. Auch heute essen wir
wieder im Restaurant "Jean Filippo XIII "- aber
das Menue ist, wie man uns vorgewarnt hatte, wieder
dasselbe.
Am Freitag geht das Leben an Bord seinen inzwischen
gewohnten Gang. An den Ufern des Rio Madeira, dem
Fluss mit dem sechst-groessten Wasservolumen der Welt,
gleiten selten mal eine kleine Stadt, oefters einzelne
hoelzerne Wohnhaeuser an uns vorbei. Wir halten uns
vorwiegend im Trailer-Schatten auf, spielen Triomino oder
lesen und ich arbeite am Laptop an Reisebericht und
Fotos. |
| Am Samstag-Morgen sind wir bei Erwachen
bereits auf dem Rio Amazonas. Die Sonne brennt und beim
Fruehstueck haben wir schon 30o C. Um 16.30h
staerken uns ein letztes Mal mit dem Bordmenue und
verbringen ab Einnachten, als am Horizont nach vier Tagen
Flussfahrt die Lichtermenge von Manaus auftauchen,
ueber zwei Stunden an der Front der beiden Plattforms.
Erst ist der Fahrtwind noch angenehm. Mit dem
Verlangsamen der Fahrt dann aber fallen die Mosquitos
einmal mehr ueber uns her und die Chauffeure lachen uns
aus, als wir uns von Kopf bis Fuss mit Antimueckenspray
einspruehen, die laestigen Moskitos aber trotzdem
abwehren muessen. Zum Schluss duempeln wir nur noch den
verschiedenen Hafengelaenden entlang bis wir endlich um
22.15h vor dem Desembarco von Chibatao-Hafen anlegen.
Lange Zeit tut sich nichts, weshalb wir vermuten, dass
erst morgens entladen wird und uns in unser
moskitonetz-geschuetztes Bett verziehen. Gegen
Mitternacht dann fangen rund um uns herum die Motoren zu
droehnen an und aufgeschreckt rollen auch wir gegen
01.30h von der Plattform, um im abgeschlossenen
Hafengelaende wieder in die Federn zu kriechen. |
| Das erste Papier von der Zollbehoerde,
die Liberacion, erhalte ich ohne weiteres. Schwieriger
wird es dann, den Passierschein fuers Gate von Oliveira
zu erhalten. Mitnichten koennen wir hier, wie uns in
Porto Velho versichert wurde, mit der Kreditkarte die
Passage bezahlen. Wieder helfen uns die Chauffeure. Zwei,
die ihr Zugfahrzeug abgekoppelt haben, nehmen uns mit in
die Stadt. Beim Kreisel bei der Esplanade setzen sie uns
in ein Taxi, dessen Chauffeur sie genau instruieren, dass
wir einen ATM-Schalter brauchten und wohin wir nachher
zurueckgebracht werden muessten. Schon nach wenigen
Hundert Metern haelt der Driver vor einer HSBC-Filiale
und eine Viertelstunde spaeter stehen wir, vergeblich auf
Schwierigkeiten wegen des grossen Bezugs vorbereitet, mit
Haenden voll Noten, genuegend Cash fuer die Begleichung
der Herfahrt, da. Grosser Abschied von den vielen
freundlichen Begleitern der ersten Flusspartie, die uns
so freundlich begluckert haben. Viele "boa
viagem!" Sie haben sich anscheinend gefreut, dass
wir etwas Abwechslung in die fuer sie sonst langweilige
Flussfahrt gebracht haben. |
Wir machen uns auf in die Stadt. Wie
immer haben wir das selbe Problem, naemlich zu
verifizieren, wann wir den kuemmerlichen Kartenausschnitt
nur vom Zentrum von Manaus erreichen und uns
stadteinwaerts auf der Rua Ramos Ferreira befinden.
Unsere Orientierungsfahrt ist relativ kurz, denn fast zu
100% sind die Laeden und Geschaefte und sogar die kleinen
Gewerbebetriebe an der Peripherie heute Sonntag, 22.
Juli, geschlossen. Nicht mal die Internet-Cafés halten
ihre Tueren offen. Der in der Av. Eduardo Ribero
stattfindende Sonntagsmarkt, an dem vor allem Tand und
Bekleidung verkauft wird, interessiert uns nicht. Unser
Ziel ist vielmehr der Carrefour Supermercado, wo wir uns
mit feinem frischen und knusprigen Brot eindecken
koennen, bevor wir wieder stadtauswaerts rollen.
Wir sprechen am Tor vom spaeteren Ausschiffungsgelaende
vor und erklaeren, dass wir nach Belém einschiffen
wuerden, worauf sich die Barriere nach unserer
Registrierung oeffnet und wir auf einem sicheren Platz
uebernachten koennen. Diesen Standplatz benutzen wir mit
demselben Spruch auch fuer die folgenden Naechte bis zu
unserer wirklichen Abreise, und vom dritten Abend an
kennt man uns und winkt uns einfach rein oder raus. |

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In der Altstadt von Manaus ist es
drueckend heiss und schwuel in den Gassen, aber trotzdem
wird gehandelt und ver- und gekauft. Von der Kopie von
Paris' beruehmten Les Halles, dem Mercado Muicipal Adolfo
Lisboa aus 1882, sehen wir nur noch die Giebel, da das
ganze baufaellige Gelaende abgesperrt worden ist und auf
eine Renovation wartet. Gerade daneben liegt die
Anlegestelle der Fluss-Passagierboote, der Porto Manaus
Moderna. Unzaehlige Boote sind daran, Passagiere und
deren Gueter sowie Fressalien und Getraenke fuer die
Versorgung unterwgs aufzunehmen. Es herrscht nicht nur
auf den Stegen ein Riesentrubel, viel groesser ist der
Andrang auf den einzelnen Decks. Da nur ein paar wenige
Kabinen, wenn ueberhaupt, vorhanden sind, reist man hier
fluss-auf- und ab-waerts in Haengematten, von denen
Unmengen mangels Raum dicht gedraengt und kreuz und quer
zwischen den Stuetzpfosten aufgespannt sind. Da lob ich
mir unseren Komfort und privaten Bereich im Camper auf
einer Flussplattform! |
| Ein Zeichen der einst opulenten Zeiten
waehrend des Gummi-Booms von Manaus ist das beruehmte
Opernhaus, Teatro Amazonas, welches 1896 eroeffnet wurde.
Eine fliessend englisch sprechende junge Dame fuehrt uns
durch die herrlichen Raeume und erlaeutert die
kuenstlerischen Details im eigentlichen Theater mit
seinen verschiedenen Logen wie auch in den Nebenraeumen,
die zu andern gesellschaftlichen Anlaessen wie Baellen
und Empfaenge dienten. Nicht nur die Kuenstler sondern
praktisch alle Materialien wurden seinerzeit aus Europa
eingefuehrt: Marmor und Glas aus Italien, Gitter und
Gelaender aus schottischen Giessereien. Kombiniert mit
verschiedenen brasilianischen Hoelzern (selbst von denen
wurden einige Partien zum Schnitzen nach Uebersee
gebracht) wurde von den Architekten aus Lissabon ein
herrliches neoklassisches Gebaeude geschaffen, dass
inzwischen bereits vier Renovationen hinter sich hat.
Ganz im Sinne der Gummibarone wurde die Strasse um die
Oper herum mit Kautschuk belegt, wovon noch immer
Teilstuecke zu sehen sind, damit Spaetankoemmlinge mit
ihren Kutschengeraeuschen nicht bereits begonnene
Vorstellung stoeren wuerden. |
| Das moderne Manaus finden wir denn nun
heute in den noerdlicheren Stadtteilen entlang der
Durchgangsstrasse zum Flughafen. Verschiedene grosse
Einkaufszentren mit Supermercados wie Carrefour, DB und
alle Arten von modernen Geschaeften locken zum
Geldausgeben. Wir allerdings suchen uns den Weg hinaus
zum 13 km nordwestlich der Stadt gelegenen Praia Ponte de
Negra hinaus. In modernen Hochhaeusern wohnt hier die
vermoegendere Schicht mit Sicht auf den Fluss, der Zugang
zu diesen Wohnanlagen, meist mit Swimming Pool und
Tennisplatz, nur auf Bewohner beschraenkt. Zu dieser
Jahreszeit sieht man beim hohen Wasserstand des Amazonas
nichts von seinen angeblich attraktiven Sandstraenden,
wohin sich die Einheimischen vor allem am Wochenende vor
der staedtischen Hitze fluechten sollen. Mehr zufaellig
stossen wir bei unsern Erkundungen auch auf die in
Reiseberichten erwaehnten, als fuer Camper geeigneten
Standplatz, die Praia Dourada. Abgsehen davon, dass auch
hier der Badestrand ein Opfer der derzeitigen Fluten ist,
praesentiert sich die Anlage als komplett
heruntergekommen. Wir kroenen den Ausflug dahin mit einem
Stop am Swimming Pool des als bestes Haus am Platz
bekannten Tropical Hotel. |

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Nachdem wir in einer Borracharia unsern
immer noch leckenden vorderen rechten Schlauch nochmals
geflickt worden ist, finden wir ueberraschend ganz in
Naehe des Einreise-Hafens eine Garage, die auch hohe
Fahrzeuge mit Hochdruck waescht, so dass wir auf der
Weiterfahrt nicht wieder staendig um unser verschmutztes
Fahrzeug herum uns druecken muessen. Am selben Ort
koennen wir Frischwasser auffuellen. Unsere
Schmutzwaesche haben wir einer Lavanderia anvertraut -
hier ein etwas koestlicherer Vorgang, da nicht mehr per
Kilo sondern pro Stueck abgerechnet wird. Carrefour
fuellt uns den Kuehlschrank, worauf wir vollstaendig
autark fuer die naechsten Tage zum Verladepunkt
zurueckkehren.
Einmal mehr hatten wir im Selva Internet Café in der R.
Joaquim Sarmente die einschlaegigen Homepages
durchforstet. In der Aircondition und der Ablenkung durch
die verschiedenen Mails laesst es sich gut leben. Dafuer
schlaegt es einem jeweils fast um, wenn wir den Raum
verlassen und erst noch in den aufgewaermten Camper
steigen muessen. Es scheint auch hier auf dem Amazonas
nur einen Anbieter, naemlich den, welchen wir bereits
kennen, und keine Konkurrenz dazu zu geben, der uns und
vor allem unsern Camper nach Belém schaukeln koennte.
Heute Mittwoch, 25.7., kaufen wir im Buero von Oliveira
direkt am Embarcadero die Passage fuer den Ponton, der
abends ablegt. Waehrend die Fracht weniger kostet, ist
dafuer ist die Ein-Ausschiffung doppelt so teuer.
Insgesamt kommen wir mit R. 1'919.- etwas guenstiger. |

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Es sammeln sich immer mehr Fahrzeuge und
Anhaenger an, da fast allabendlich erst die Plattforms
nach Belém, danach diejenigen nach Porto Velho beladen
werden. Da wir nicht sicher sind, ob ebenfalls wieder
zwei Pontons zusammengehaengt werden, vertauschen wir
unsern schattigen Standplatz beim Einnachten an eine
strategisch bessere Stelle, damit wir ja nicht uebersehen
werden. Da drueckt man uns ein Formular zum
Unterschreiben in die Haende, dessen schlechte englische
Version ich noch weniger verstehen kann als die
portugiesische. Nachfragen ergeben, dass die Gesellschaft
eigentlich ausser dem Chauffeur keine zusaetzlichen
Passagiere transportieren darf und sich mit unserer
Unterschrift absichert resp. eine eventuelle von
Kontrollbehoerden verfuegte Busse auf uns abwaelzen wird.
Eine riesige Plattform fuer Belém mit 8 Reihen von
Aufliegern mit nur wenigen Zentimetern breiten Spalten
inzwischen bis auf 4-5 Plaetze voll, rollen wir dann zur
Rampe runter. Hier stossen wir auf einen freundlichen
Lademeister, der uns erklaert, dass noch eine 2.
Plattform beladen wuerde und wir da, um in Genuss von
Fahrtwind zu kommen, am Schluss zuvorderst aufgeladen
wuerden - Musik in unsern Ohren und alles, was wir
beabsichtigten. Wir beobachten das Ladepersonal, wie es
gekonnt auch den zweiten Ponton fuellt. Gegen 1.30h
werden auch wir eingewiesen und koennen uns danach
beruhigt ins Bett verziehen. Irgendwann in der
Nachtwerden wieder 2 oder 3 Vehikel ausgeladen und an
deren Stelle andere an Bord gefahren, doch davon bekomme
ich trotz des Laerms nichts mehr mit. |
| Ich habe den Wecker gestellt und erwache
am Donnerstag-Morgen nach kurzem, aber intensivem Schlaf
bei leuchtend rotem Morgenhimmel ueber dem Rio Amazonas.
Nach ueber 1'500km auf dem Rio Madeira trennt uns in etwa
dieselbe Distanz von der Einmuendung des Flusses in den
Atlantik. Wir befinden uns in voller Fahrt mit einem
Schnitt von ueber 22 km/h, um einiges schneller unterwegs
als die letzte Faehre. Eine Stunde spaeter dann ist es
taghell geworden. Auch hier sitzen ueberall die
Chauffeure auf ihren kleinen Holz-Klappstuehlen unter den
Aufliegern und LKWs und unterhalten sich. Fuer uns ist es
nur ein undefinierbares, unverstaendliches Geschnatter
gemischt mit vielen Nasallauten. Auch mit Italienisch-,
Franzoesisch- und einigen Spanisch-Sprachkenntnissen ist
es mir nicht moeglich, irgend etwas von ihrer
Konversation zu verstehen. Generell verhalten sie sich
die Maenner auf dieser Etappe viel reservierter und
suchen kaum je Kontakt mit uns. Der Tagesplan stimmt mit
unseren bisherigen Erfahrungen ueberein. Zweimal am Tage,
morgens vor 11.ooh und nachmittags gegen 16.30h ertoent
wiederum die Trillerpfeife - eine warme Mahlzeit, im
Fahrpreis mitinbegriffen, ist angerichtet. Deren
Qualitaet ist hier besser, wie auch das ganze Schiff
sauberer, die Toiletten und Duschen auf dem Pushboot
reinlicher sind. |

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Nach einem einstuendigen Halt in Obidos,
wo der Kaepitaen eine Fiskal-Kontrolle aufsuchen muss,
bevor er den Bundesstaat Amazonas mit dem von Pará
vertauscht, kommen wir im Laufe des Tages vor der
200'000-Einwohner-Stadt Santarém an der Einmuendung des
Rio Tapajos vorbei. Aber einmal mehr gelingt es uns
nicht, dessen klareres, rot-schwarzes Wasser, das sich
erst nach einigen Kilometern endgueltig vermischen soll,
vom trueb-braunen des Rio Amazonas zu unterscheiden. Wir
fahren auf einem immens breiten Flussstueck. Sporadisch
kreuzen wir entgegenkommende Frachter oder Lastenzuegen
wie wird. |
| Am Samstag laesst die Temperatur nach,
ebenso der Sonnenschein. Fast den ganzen Tag bleibt der
Himmel mehr oder weniger bewoelkt. Wir fahren durch ein
schmaeleres Nebenstueck, um in den Rio Pará zu gelanden.
Waehrend wir am fruehen Abend uns den Bords-Znacht
schmecken lassen - heute gibt's sogar Braten - entwickeln
sich die schon laenger drohenden Wolken ausgerechnet zu
diesem Zeitpunkt zu einem kleinen Sturm. Der Chauffeur
eines benachbarten Trucks kommt angespurtet und deutet
uns mit Zeichen, dass mit unserem Auto etwas nicht in
Ordnung sei. Den Stoff der nur teilweise ausgedrehten
Sonnenstore hat es kurzerhand aufs Dach gestuelpt, kein
Schaden entstanden. Aber das linke Seitenfenster ist
durch eine Windboe ausgehaengt und fortgeweht worden. Die
Umstehenden waren so clever und haben fuer uns die
Bruchstuecke eingesammelt. Gluecklicherweise alle noch
vorhanden, kann Fredy die ganze Chose erst behelfsmaessig
mit einem Textilklebband, um wenigstens beim laenger
anhaltenden Regen die Oeffnung schliessen, und am Tag bei
eitel Sonnenschein danach endgueltig mit Araldit
zusammenfuegen. |
| Am 29. Juli naehert sich unser Zug bei
dramatisch bewoelktem Himmel dem Ziel. Ich habe die
Erlaubnis erhalten, von der Bruecke runter zu
fotographieren und halte die aus Distanz die
vielversprechende Skyline von Belém fest. Um
15.15 h legen wir an der Entladestation an, bleiben
allerdings mangels Ueberbrueckungsrampe in kurzer Distanz
zum Ufer bei Ebbe liegen. Einige Stunden und ein heftiges
Gewitter spaeter hat sich der Ponton durch die Flut
soweit gehoben, dass ans Ausladen gedacht wird. Als
erstes Fahrzeug werden wir ans Festland gewinkt, fahren
aber nur wenige Meter weit, da wir im geschuetzten
Hafengelaende stehen bleiben und uebernachten wollen. |

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| Bei Bezahlung der Passage haben wir schon
in Manaus den Passierschein erhalten, so dass sich am
naechsten Morgen nach dem Fruehstueck fuer uns ohne
weitere Formalitaeten die Schranke oeffnet. Am Flussufer
liegen unzaehlige Industriehallen und Entladestationen
von Firmen, deren Werkhallen aber in der Mehrheit vom
Klima recht mitgenommen aussehend. Die Wohnviertel auf
der gegenueberliegenden Strassenseite scheinen auch nicht
zu den feinsten zu gehoeren. Ueberall haengen Leute rum.
Auffallend viele schwangere Frauen begegnen uns. Am Valde
Caes Flughafen und verschiedenen Militaerischen Zonen
vorbei naehern wir uns der 1,4 Mio. Stadt. Wieder dauert
es seine Zeit, bis ich mich orientieren kann. Wir
umzirkeln das als Comercio bezeichnete Viertel und rollen
durch die Av. Nazaré, wo wir vor der gleichnamigen
Basilica sogar auf Anhieb einen Parkplatz finden. Wir
suchen das Cyber Net auf - auch dies wieder ein modern
eingerichtetes, da gleichzeitig auch Computer-Lehrgaenge
angeboten werden, vielfach abgesichertes Internet Café. |

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Die Strasse sind fast ausnahmslos
Einbahnstrassen in abwechselnder Richtung, so dass es
komplizierter wird, am Iguatemi Shopping Center vorbei zu
kommen, das wir als eventuellen Uebernachtungsplatz ins
Auge gefasst aber wegen seiner Lage mitten "im
Kuchen" vergessen muessen. Wir parken unweit der
Cidade Velha an der Praça Fellipe Patron. Einmal mehr
geht ein Regenschauer nieder, den wir mit dem
Mittagsimbiss ueberbruecken, bevor wir uns zu Fuss
aufmachen und am Forte Castelo vorbei uns einige der
Gassen der Altstadt ansehen. Aus der Zeit der
portugiesischen Besiedelung und des Kautschuk-Boom noch
vor dem ersten Weltkrieg, als Gummi 39% der
brasiliansichen Exporte umfasste, stehen noch viele alte
Gebaeude, aber praktisch alle in schlechtem Zustand.
Selbst das Museo do Estado de Pará und die grosse
Catedral da Sé sind stillgelegt, und befinden sich
gemaess Beschilderung, aber ohne Anzeichen von Arbeiten,
unter "Restaurado". Bereits restauriert
hingegen sind drei ehemalige Gueterschuppen an der
Wasserfront, die 2000 in ein Flanierzentrum Estaçao das
Bocas fuer Touristen umgewandelt wurden. Einige der alten
Hafenkraene stehen markant gelb gestrichen vor Hunderten
von leeren Tischen und Stuehlen von Dutzenden von
Restaurants - praktisch alle ohne Kundschaft. |
| Wir haben uns schon im Laufe des Tages
Gedanken ueber einen moeglichen Uebernachtungsplatz
gemacht. Eigentlich wollten wir bei der Feuerwehr an der
Av. Portugal nachfragen, aber als wir am Abend da
anrollen, sind die Gittertore zu und auf Anhieb niemand
zu finden, den man ohne grosse Umstatende um Erlaubnis
fragen koennte. Also rollen wir nur einen Strassenzug
weiter und postieren uns bei der Praça Felipe Patron
direkt vor der Praefektur, die im Palaçio A. Lemos
unterbracht ist und aufgrund ihrer Bedeutung auch
nachtsueber bewacht ist. Kaum abgestellt, fragt schon der
Verantwortliche bei uns nach und gestattet uns als
Touristen, auf dem sich leerenden Amtsparkplatz stehen zu
bleiben, bitte uns aber, den Camper vom maroden,
mosaikartigen Gehsteig runterrollen zu lassen. |

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Schon vor dem Fruehstueck sind wir
unterwegs, um neben Praça de Relogio dem zu beobachten,
wie die aus der Baja de Guajará zurueckgekehrten
Fischerboote ihren Fang entladen und gerade am Quai an
Grosshaender mit Grosshaendler um den Erloes verhandeln
oder an Privatkundschaft verkaufen. Bis wir noch durch
den Mercado Ver-o-Peso und eine nahe Foto-Ausstellung
ueber Indianer des Amazonas-Gebietes gestreift sind, ist
der ganze Spuk samt Fischgeruch schon vorbei und die
Gehsteige sauber abgespritzt. Verschwunden sind die meist
dunkelhaeutigen Fischer, ihre Gehilfen wie auch die
Haendler mit ihren Standwaagen. |
| Nach dem Brunch dislozieren wir noch zur
Praça Republica, die allerdings nichts Spezielles ist.
Die Pavillons der Parks sind verlottert, das Teatro da
Paz aus 1869 in natura weniger imposant als auf Fotos. Es
ist heiss und die ueblichen kleinen Verkaufsstaende auf
den Trottoirs, die vielen Kleidergeschaefte und die
Zeitschriften-Kiosk, von denen wir einige in der
vergebenen Hoffnung, einen Campingguide von Brasilien zu
finden, abgeklappert haben, sind uns verleidet. Wir
schliessen deshalb das Kapital Belém mit Einkauf
im "Lider" und auftanken ab und fahren
stadtauswaerts. |

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Weitere Fotos: siehe
Galerie / Brasilien I - Nr. 0205-x0720 |